Symbolik von Körper,
Organen und Erkrankungen
Symbole begleiten die
Menschheit seit Urzeiten. In der Mathematik dienen
sie der Lösung
sachlicher Probleme – im Leben jedoch finden sie Anwendung in vielen geistigen,
seelischen und mentalen Bereichen.
Nun gibt es auch eine
Symbolik der menschlichen Gliedmaßen und Organen, sowie ihrer vielfältigen Funktionen.
Schließlich lässt sich auch noch bei der jeweiligen Erkrankung eine eigene,
immer wieder erkennbare Symbolik finden.
Aussagen wie, das nehme
ich mir zu Herzen, das geht an die Nieren, vor
Dir gehe ich nicht in
die Knie, einem läuft die Galle über etc. beschreiben
anschaulich Situationen,
die irgendwie einen Organbezug aufzuweisen
scheinen. Hier werden
Ansichten und Verhaltensweisen gedanklich mit Körperregionen und
Organfunktionen verbunden.
Ohne stets alles
mystifizieren zu wollen, sollte der ganzheitlich denkende
und arbeitende Therapeut
grundsätzlich diese Bereiche bei seiner Behandlung, insbesondere aber bei der
Eingangsuntersuchung sehr aufmerksam wahrnehmen und entsprechend bearbeiten.
Allein die Sprache und der Satzbau seitens des Patienten muss als ganz
persönliche Ausdrucksform beachtet und nicht lediglich inhaltlich gewertet werden.
Aus der jeweiligen Wortwahl ist viel zu entnehmen. Wie beschreibt der Patient
sein Leiden, ahnt er schon die eigentliche Ursache?
Zum Beispiel stelle ich
Patienten mit Fußproblemen die Frage, was der Fuß für sie
persönlich bedeutet.
Häufig jedoch sind die
Patienten mit einer derartigen Frage im Moment ein wenig überfordert. Erst,
wenn sie gefragt werden, was Standvermögen für sie bedeutet und ob sie mit dem
„Standvermögen“ in ihrem Leben zufrieden sind oder, was sie unter Beweglichkeit
im eigentlichen Sinne und Beweglichkeit im Geiste verstehen, kommt häufig ein erstauntes
>oh< !
Ist zum Beispiel der
Patient, der Rückenprobleme hat, in seiner Grundhaltung stets
aufrichtig?
Falsch wäre es natürlich
in diesem Zusammenhang, einen Patienten mit einem Rundrücken automatisch als
notorischen Lügner abzuqualifizieren!
Vielmehr muss die
Symbolik in der ganzheitlichen Heilkunde sehr behutsam zu Rate gezogen werden.
Grobes Einsortieren von
Organproblemen in geistiges Fehlverhalten ist nicht nur sehr unreif, sondern kann
auch das geistige Gefüge des Patienten in Unordnung bringen und dient somit
nicht zur jeweiligen Selbstfindung und kritischen Selbstbeobachtung.
Generell sollte bei
dieser Thematik lediglich die Verbindung einer Verhaltensweise oder einer
Lebenseinstellung mit einer Organproblematik in Frage gestellt werden. Dem Patienten
würde dann lediglich eine mögliche Sichtweise der Krankheitsursache vorgeschlagen
werden – ganz sanft und behutsam. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass der
Therapeut schon die richtige Antwort wüsste. Der Patient geht in den aktuellen
Vorgang hinein und beobachtet sich. Damit er in die Situation des
Selbstbeobachtens kommt, muss vom Therapeuten mit Zurückhaltung gelenkt werden.
Hier wäre es nicht
empfehlenswert, wenn der Therapeut auf die Bestätigung des von ihm schon „vollstreckten
Urteils“ begierig wartet.
Liebevoll die grobe
Richtung anzeigen und gewähren lassen, ist hier die Devise.
Die Symbolik aller
Körperbereiche, Organe und Erkrankungen lässt sich in diesem Zusammenhang nicht
erschöpfend darstellen. Eine nun folgende
Auswahl sollte jedoch
eine für die Praxis brauchbare Übersicht bieten.
Den für den Therapeuten
zuerst wahrnehmbaren Körperbereich stellt die Haut dar.
Sie sollte primär als
Abgrenzungsorgan betrachtet werden und ist von der Körperseite her die letzte Bastion
zur Außenwelt, welche leider manchmal als sehr grausam und ungerecht erscheint.
Wird die Haut somit zum Schutzschild
beziehungsweise zur Isolationsschicht, besteht die Gefahr, dass sie ihre positive
Funktion als Kontaktorgan einbüßt und folglich sogar seelisch einengend wirken
kann. Altbekannte Redewendungen, wie „nicht aus seiner Haut können“ oder „aus
der Haut fahren wollen“, veranschaulichen
diese Problematik. Der
Patient sollte daher gleich am Anfang gefragt werden, was die Haut für ihn bedeutet,
wie er zu ihr steht, ob er sie pflegt oder eher vernachlässigt, ob er sich
häufig verletzt etc. Dann sollte sein Umfeld berücksichtigt werden, hier
wiederum besonders die engen persönlichen und sozialen Kontakte. Stellt man zum
Beispiel die Frage, ob sich die betreffende
Person eher als
„dünnhäutig“ oder “dickhäutig“ bezeichnet, beziehungsweise „ein dickes Fell“
sein Eigen nennt, können manchmal recht schnell und unproblematisch Türen
geöffnet werden, an die man bei einer herkömmlichen Anamnese überhaupt nicht
dachte. Der Ursinn der Worte wirkt häufig sehr klärend.
Natürlich dient die Haut
auch als Projektionsfeld innerer Organe.
Insbesondere wird dies
bei der so genannten Pathophysiognomie deutlich.
Bei dem Thema Haare,
insbesondere den Haupthaaren, fällt uns vielleicht
gleich der Satz ein: man
soll sich keine grauen Haare wachsen lassen. Hier wird seelischer Dauerstress mit
frühzeitigem Ergrauen in Verbindung gesetzt. Die Haare stehen einem zu Berge,
wenn Schreckliches erlebt wird und man
rauft sich die Haare in
einer ausweglosen Situation. Auf der anderen Seite steht viel und langes Haar
für Jugend, Vitalität und Unbekümmertheit.
Gerade in der so
genannten Hippie-Zeit war langes Haar ein Zeichen von völliger Freiheit und Selbstdarstellung
– anders als im Kloster oder bei der Armee, wo ein Ausleben der Individualität
gerade nicht gewünscht wird.
Interessant ist auch die
symbolische Betrachtungsweise der Augen.
Besitzt man bei einer
bestimmten Sache wirklich den „Durchblick“ und ist man auch „einsichtig“ oder
„blind vor Liebe“? Gerade im höheren Alter gesellt sich zur Lebenserfahrung
leider auch öfter eine gewisse Verbitterung bezüglich des sozialen Umfeldes
hinzu. Werden parallel zu dem, auch im Augenlinsenbereich langsamer werdenden
Stoffwechsel Erwartungshaltungen zum Beispiel im Familienkreis nicht erfüllt,
kann eine Art Resignation entstehen.
Durch eine Linsentrübung
kommt es dann zu einer „Weichzeichnung“ wie in der Fotografie mit der Folge,
dass man die schmerzhaften Spitzen beziehungsweise die Realität im Leben nicht
mehr wie gewohnt wahrnimmt. Durch den wahrnehmbaren visuellen Schleier kommt es
zu einer „beruhigenden Abmilderung“.
Wer Ohren hat,
der höre! Wollen wir wirklich alles hören oder machen wir manchmal „dicht“? Als
passives Empfangsorgan symbolisieren die Ohren unter anderem auch Gehorsam.
Nehme ich alles demütig, für meine Mitmenschen Notwendige, wahr oder
verschließe ich mich und will aus Egoismus nichts mehr an mich heranlassen.
Stress, den man nicht mehr wahrnehmen möchte, wird häufig durch heftige Ohrgeräusche
überlagert. Die Aussage, „wer nicht hören will, muss fühlen“, zeigt
anschaulich, wie sinnvoll es ist, die Chance des Hörens zu nutzen. Auch hier
hat das Nicht-
Hören etwas mit
Eigensinn zu tun.
Zähne dienen primär zur Zerkleinerung
der Speisen. In der Symbolik könnte man an die Bewältigung von Problemen denken
– erst nach dem Zerkleinern großer „Brocken“ kommt man an das gewünschte Ziel,
etwa nach dem Prinzip der „Salami-Scheiben- Technik“. Natürlich haben Zähne auch
etwas mit Aggressivität und „Durchbeißen“ zu tun. Hat man den „richtigen Biss“
in seinem Beruf oder „beißt man sogar um sich“. Immer, wenn es langfristig zu
entsprechenden disharmonischen Verhaltensweisen kommt, sind Probleme im Zahnbereich
wahrscheinlicher, nicht aber die logische Folge.
Heute leiden viele
beruflich oder familiär überlastete Menschen unter Schulterproblemen. Man
„schultert eine Last“ und freut sich, wenn man „breite Schultern“ hat und viel (er)tragen
kann. „Hängende Schultern“ deuten auf den Gemütszustand hin. „Schulter an
Schulter“ steht man füreinander ein – hier deuten die Schultern auf ein
soziales Verhalten hin. Häufig werden in der Mode die Schultern aufgepolstert, um
unbewusst etwas vorzutäuschen, das nicht existent werden kann.
Wie die Haut sind auch
die Bronchien ein Kontaktorgan. Sie stellen die Verbindungskanäle
zwischen der Außen- und der Innenwelt dar. Gibt man das, was man einmal empfangen
hat nicht wieder her oder kann sich von Dingen nicht trennen, sind obstruktive
Atemwegserkrankungen denkbar. Die
eingeatmete Luft wird
durch Spasmen eingeschlossen und behindert den gesamten Organismus, wird aber
nicht freiwillig hergegeben.
Ganzheitliche
Entkrampfung wäre hier die Devise.
Das alles sollte man
sich wirklich zu Herzen nehmen. Das Herz wird allgemein als Sitz
der Seele und Quelle der Lebensenergie angesehen. Da
es Zentrum der
Liebe(sfähigkeit), Emotionen, Gefühle aber auch des Schmerzes ist, verdient es
im Alltag unsere besondere Beachtung!
Vorsichtig zu
verwertende Erfahrungen zeigen, dass „hartherzige“ Menschen eher unter
Herzproblemen leiden als „warmherzige“. Man soll aus seinem Herzen jedoch keine
„Mördergrube“ machen.
Haben Sie bis jetzt
alles „geschluckt“?
Wir sind beim Magen
angelangt. Wenn uns etwas „auf den Magen schlägt“, können nerval gesteuert
ernsthafte organische Probleme entstehen. Der Magen hat etwas mit Aufnahme zu
tun. Nicht nur Nahrungsmittel sondern auch andere Dinge können wir in uns
„hineinfressen“.
Gelebte Weisheit kann uns
vor derartigen Störungen bewahren.
Die Leber ist
allein vom Wort her eng mit dem Leben verbunden, auch im englischen (liver /to
live); die Mythologie berichtet von einem Adler, der tagsüber die Leber des Prometheus
frisst, welche nachts wieder nachwächst, und geht damit auf den Gedanken der
Unsterblichkeit ein. Neben ihrer Verdauungsunterstützung und
Entgiftungsfunktion wird die Leber auch mit
Temperament in
Verbindung gebracht. So neigt der Choleriker (Cholla = Galle) dazu, „Gift und
Galle zu spucken“ und hat erfahrungsgemäß auch öfter die Bildung von Gallensteinen
zu beklagen. Hier kommt der Leber eine deutliche Beteiligung am
Aggressionsausdruck zu. Immerhin, so sagt der
Volksmund, kann man sich
„grün und gelb ärgern“. Bei dem Melancholiker wiederum ist mehr als nur eine
„Laus über die Leber gelaufen“.
Zum Schluss sollen die Knie
und ihre Verbindung zur Demut nicht unerwähnt bleiben. Der in der
heutigen Zeit nicht mehr allzu häufig angewendete Hofknicks aber auch das
Kniebeugen in den Kirchen stellen eine bekannte Demutsgeste dar.
Jemand kann jedoch auch
„auf die Knie gezwungen“ oder „über selbiges gelegt“ werden. Hört jener davon,
bekommt er schon vorher „weiche Knie“.
Sind einige Organsymbole
gedanklich verarbeitet, gelingt es einem leicht, noch unbekannte Symbole herzuleiten.
Entscheidend ist stets die einfache Frage, was die eigentliche Funktion des
Organs ist und ob eine ähnliche Funktion beziehungsweise Entsprechung bei
Verhaltensweisen, Ansichten oder Situationen wieder zu erkennen ist. Mit der
Zeit schärft sich das Wahrnehmungsvermögen
und lässt die Diagnostik wesentlich transparenter und somit verständlicher
werden, was letztendlich dem Patienten und dem
Therapieerfolg zugute
kommt.
Naturheilpraxis
Dr. Burkhard Voges
Emmastr. 80
28213 Bremen
Tel.: 0421 – 3499628
Email.: dr.voges@web.de